Hörsysteme

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Wie funktioniert ein Hörsystem?

Moderne Hörsysteme sind klein, bequem und nahezu unsicht­bar. Vergleichbar mit einem enorm leistungsstarken Computer, garantieren sie natürliches Hören in fast jeder Hörsituation. Ein digitales Hörgerät besteht aus einem Mikrofon, einem digitalen Signalprozessor und einem Lautsprecher, der das optimierte Klangbild ins Ohr überträgt. Idealerweise ist es zusätzlich mit einem Richtmikrofon ausgestattet, das dafür sorgt, dass Sie die zentrale Klangquelle auch wirklich am deutlichsten hören. Gleichzeitig werden Störgeräusche ausgeblendet und Rück­koppelungen unterdrückt. Grundsätzlich unterscheidet man Hinter-dem-Ohr-Geräte (HdO-Geräte) und In-dem-Ohr-Geräte (IdO-Geräte).

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  • Die Mikrofone fangen die Schallwellen auf und leiten diese an den digitalen Signalprozessor weiter.
  • Im digitalen Signalprozessor werden die Schallwellen in digitale Signale umgewandelt.
  • Der verarbeitete und verstärkte Schall wird in den Gehörgang weitergeleitet.

Bei starken Hörverlusten wird Ihnen Ihr Hörgeräte-Akustiker zu einem HdO-Modell raten, da dieses leistungsstärker ist als ein IdO-Gerät. Dem Wunsch nach einer möglichst unsicht­baren Lösung tragen mittlerweile beide Varianten Rechnung. Von modernen HdO-Geräten ist kaum mehr als ein kleiner transparenter Schlauch zu sehen, der in den Gehör­gang hineinführt.

Da sich die Hörgerätetechnologie in rasantem Tempo weiter­entwickelt, ist nur eine Minderheit der Hörgeräteträger mit einer topaktuellen Lösung versorgt. Ältere Modelle weisen jedoch gewisse Schwachstellen auf. Das Hauptproblem besteht darin, dass sie jeweils nur auf ein Ohr eingestellt sind, wohingegen gesunde Ohren miteinander kommunizie­ren, ihre akustischen Eindrücke aufeinander abstimmen und dadurch räumliches Hören ermöglichen.

Eine echte Innovation stellt deshalb die binaurale Techno­logie dar. Diese Hörsysteme tauschen große Datenmengen zwischen beiden Ohren aus, berechnen diese neu und passen sie in Echtzeit der jeweiligen Situation an. So erzeugen sie einen authentischen Raumklang und verbessern das Sprach­verstehen um bis zu 45 Prozent. Welche Lösungen für Sie infrage kommen, erläutern wir im nächsten Kapitel.

Welche Technologie ist die richtige für mich?

Die Funktionen und Variationsmöglichkeiten moderner Hörge­räte sind vielfältig. Deshalb lässt sich die Frage nach der rich­tigen Technologie nicht pauschal beantworten. Ihr Hörgeräte-Akustiker wird Sie bei der Wahl unterstützen. Dabei bezieht er Ihre Höranforderungen, Ihre finanziellen Möglichkeiten und Ihre individuellen Hörvorlieben mit ein. Die verschiedenen Komfort­stufen unterscheiden sich durch Gehäuse, Tragekomfort sowie Klang- und Sprachqualität. Ein wichtiger Hinweis: Eine Reihe von Funktionen, die Ihnen das Hören auch in akustisch an­spruchsvollen Situationen erleichtern, bieten nur binaurale Hör­geräte. Die folgenden vier Alltagssituationen geben Ihnen einen Einblick in die Funktionsweise dieser einzigartigen Technologie:

syste5Im Restaurant

In einer lauten Umgebung ist es schwierig, sich auf eine einzelne Stimme zu konzentrieren. Nur ein binaurales Gerät kann den Fokus auf die Stimme des Gesprächspartners legen und störende Umgebungsgeräusche ausblenden. Das passiert automatisch.

 
syste6Beim Autofahren

Normalerweise orientieren sich Hörgeräte an der Blickrichtung des Trägers. Deshalb ist es beim Autofahren mit herkömmlichen Hörgeräten schwierig, eine Unterhaltung mit dem Beifahrer zu führen und gleichzeitig nach vorne zu schauen. Einige binaurale Geräte verfügen jedoch über ein Programm, bei dem sich die Mikrofone zur Stimmquelle ausrichten, so dass sogar Mitfahrer auf der Rückbank zu verstehen sind.

 
syste7Am Telefon

Probleme beim Telefonieren kennen fast alle Hörgeräteträger. Neben Rückkoppelungen ist die Sprachqualität häufig schlecht. Es gibt aber Hörgeräte, die auch diese Situation meistern. Wird der Telefonhörer z. B. an das linke Ohr gehalten, schaltet das Hörgerät auf der rechten Seite die Mikrofone aus und überträgt das Gespräch auf das rechte Hörgerät, so dass der Hörgeräteträger die Stimme des Gesprächspartners auf beiden Hörgeräten hört – das ist sogar ein Vorteil gegenüber Normalhörenden.

 
syste8Bei Wind

Im Freien können Windgeräusche die Sprachverständlichkeit extrem beeinträchtigen. Binaurale Hörgeräte erkennen Windgeräusche und blenden diese komplett aus. Sprache wird dabei zusätzlich auf beide Hörgeräte übertragen.

Das sind nur einige Beispiele. In anderen Situationen sorgt die moderne Technik dafür, dass plötzlich auftretende Geräusche gedämpft werden. Mit einer drahtlosen Verbindung zwischen Hörgerät und Unterhaltungs- und Kommunikationsgeräten wie Fernseher, Telefon und MP3-Player garantiert ein einziges Zusatzgerät eine tolle Klangqualität. Ein zusätzliches und besonders leistungsstarkes Mikrofon, das mit einem Clip an der Kleidung des Sprechers angebracht werden kann, überträgt dessen Stimme aus einer Entfernung von bis zu 20 Metern an die beiden Hörgeräte. Und dann gibt es noch die Möglichkeit, hohe Frequenzen in den hörbaren Bereich zu verschieben und so das Hörvermögen für Musik, Vogelgezwitscher oder leises Flüstern wiederherzustellen. Sprechen Sie Ihren Hörgeräte-Akustiker auf die Möglichkeiten an, die moderne Geräte bieten und die Ihrem Lebensstil entsprechen.

Was kann ich tun, um mit einem Hörsystem optimal zu hören?

Der Umgang mit einem Hörgerät will geübt sein. Da Hören in erster Linie eine Sache des Gehirns und nicht der Ohren ist, muss Ihr Gehirn erst wieder lernen, bestimmte Geräusche richtig einzuordnen. Lassen Sie sich daher nicht entmu­tigen, wenn Sie das größere Klangspektrum zunächst als ungewohnt empfinden und Ihnen die eigene Stimme fremd vorkommt. Auch die Handhabung des Hörgeräts und der Tra­gekomfort können in der ersten Zeit Probleme bereiten. Das alles ist vollkommen normal.

Damit Sie Ihr Hörgerät optimal nutzen können und in der Welt der Klänge wieder heimisch werden, haben wir folgende Tipps für Sie zusammengestellt:

  • Nehmen Sie sich Zeit! Wenn Sie müde werden, weil das Training anstrengend ist, machen Sie eine Pause – und versuchen es danach erneut.
  • Geduld brauchen Sie auch, um wieder mit Störge­räuschen leben zu lernen. Normalhörende können diese weitgehend ignorieren und sich auf das Wesentliche konzentrieren. Da Sie Geräusche wie das Ticken einer Uhr oder Geschirrklappern möglicherweise sehr lange nicht mehr gehört haben, kann es sein, dass Sie auch die Fähigkeit verloren haben, diese auszublenden. Diese erlernen Sie am besten wieder, indem Sie Ihr Hörgerät regelmäßig tragen.
  • Ihr Hörgerät sollte ein fester Bestandteil Ihres Lebens werden, ähnlich wie bei einer Brille. Tragen Sie es regel­mäßig und nicht nur bei Bedarf. So gewöhnen Sie sich schneller an das neue Hören.
  • Üben Sie bewusst, leiser zu sprechen. Vermutlich haben Sie sich im Laufe der Jahre angewöhnt, Ihre Stimme zu heben, um sich überhaupt hören zu können.
  • Versuchen Sie, Klänge zu identifizieren, die Sie beim anfänglichen Tragen des Hörgeräts noch nicht erkannt haben. Wenn Sie unterschiedliche Klänge hören, üben Sie, Ihre Aufmerksamkeit von einem Klang zum anderen zu lenken. So werden Sie ein guter Zuhörer.
  • Meistern Sie auch anspruchsvolle Hörsituationen, indem Sie an Diskussionen teilnehmen, Theater- oder Kinovor­stellungen besuchen und viel Radio hören bzw. fernsehen. Achten Sie in diesen Situationen auf folgende Aspekte:
syste2In Gesprächsrunden:

Reden mehrere Personen gleichzeitig, gehen Sie näher an denjenigen heran, den Sie hören möchten. Wenden Sie Störgeräuschenden Rücken zu.

syste3Öffentliche Räume:

Setzen Sie sich bei Vorträgen, im Kino oder Theater möglichst in eine der vorderen Reihen oder in die Nähe eines Lautsprechers. Es ist hilfreich, wenn Sie die Akteure sehen können.

syste4Radio und Fernseher:

Versuchen Sie, den Sinn des Gesagten zu erfassen, anstatt jedes einzelne Wort verstehen zu wollen. Unterstützend wirken kann das drahtlose Kommunikationszubehör, welches einheitlich
für Hörgeräte und Cochlea-Implantate verwendet werden kann.

  • Fühlen Sie sich angesichts der Herausforderungen, die Sie erwarten, unsicher oder überfordert, empfiehlt sich die Teilnahme an einem Hörtraining (Audiotherapie). Dort lernen Sie unter professioneller Anleitung und im Kreise Gleichgesinnter, gezielt zuzuhören, Störgeräusche zu to­lerieren und die Richtung der Klangquelle zu bestimmen.

Je nachdem, wie schwerwiegend der Hörverlust ist und wie lange Sie akustisch von der Außenwelt abgeschnitten waren, kann es bis zu einem Jahr dauern, bis Sie sich wieder Gehör verschafft haben. Dadurch kann es erforderlich werden, erneut eine Feinabstimmung Ihres Hörgeräts vornehmen zu lassen – einfach, weil Sie nun viel besser hören!

Broschüre zum Thema
schwerhoerig kl

Die DSL hat eine Informations-broschüre zum Thema "Schwerhö-rigkeit" herausge-geben, um über die Ursachen und Folgen von Hörminderungen zu informieren und moderne Lösungen zum Ausgleich des Hörverlusts vorzustellen.

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Warum brauche ich für beide Ohren ein Hörgerät?
Wenn Sie auf beiden Ohren schlecht hören, ist es ratsam, auch für beide Ohren ein Hörgerät anpassen zu lassen, da sonst das Richtungshören verloren geht. Nur in „Stereoqualität“ können wir Geräusche richtig orten. Darüber hinaus wird durch die beidseitige Versorgung sichergestellt, dass die Ohren akustisch trainiert und Geräusche auch in Zukunft vom Gehirn richtig zugeordnet werden können.
Pic Close up kleinerUmfragen bestätigen den Zusammenhang zwischen Nutzerzufriedenheit und technischem Fortschritt. Je hochwertiger das Hörgerät, desto größer ist die positive Wirkung für den Hörgeräteträger.phonak auswahl

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