|Alltagslärm|
Auch junge Menschen können an Altersschwerhörigkeit erkranken, wenn sie permanentem Lärm ausgesetzt sind. Nicht nur die Baustelle in der Nachbarschaft belastet unsere Ohren, sondern auch laute Musik und Verkehrslärm.
Altersschwerhörigkeit
Wie bitte?
Ich hör wohl nicht richtig ...
„Nicht sehen können, trennt uns von den Dingen, nicht hören können, von den Menschen“, wusste schon der Philosoph Immanuel Kant. Im Unterschied zu den anderen Sinnen ist Hören ein sozialer Sinn – durch ihn teilen wir uns mit und erfahren gleichzeitig, wie andere denken und fühlen. Bereits der erste Kontakt zur Welt wird über das Gehör hergestellt. Denn schon mit viereinhalb Monaten ist ein Fötus in der Lage, auf akustische Reize zu reagieren.
Ohren leisten Schwerstarbeit
Unsere Hellhörigkeit hat aber auch Nachteile: Die Augen können wir verschließen,
die Ohren leider nicht. Das leise Plätschern eines Sees hören wir folglich
ebenso wie Verkehrsgeräusche in der Großstadt. „Das Auge ist der Herr, das
Ohr der Knecht“, meinte Jacob Grimm zum Unterschied zwischen Sehen und Hören. Ohne dass es uns bewusst ist, sind wir täglich einem enormen Lärmpegel ausgesetzt. Ab 85 Dezibel werden die empfindlichen Sinneszellen im Ohr geschädigt. Wer meint, solche Lautstärken würden nur in Fabriken bei vollem Einsatz der Maschinen erreicht, täuscht sich. In einer gut besuchten Kneipe werden 88 bis 97 Dezibel erzeugt. Ein aufgedrehter MP3- oder CD-Player liegt sogar bei 110 Dezibel – da genügen wenige Sekunden, um das Ohr dauerhaft zu schädigen. Und ab einem Wert von 130 Dezibel (startender Düsenjet oder Schuss aus einer Kinderpistole) geht der Ton in spürbaren Schmerz über.
|Kinder hören gut|
Kindermund tut Wahrheit kund. Ob diese Redewendung auch in diesem Fall zutrifft? Wie dem auch sei, fest steht, dass Kinderohren hervorragend hören. Diese stille Post dürfte in den Ohren des kleinen Mädchens lauter klingen als in den Ohren seiner Eltern oder Großeltern.
Lärm ist Stress für das Ohr
Kein Wunder, dass Schwerhörigkeit mittlerweile zur Volkskrankheit geworden ist. Mehr als 14 Millionen Deutsche leiden unter eingeschränktem Hörvermögen – damit ist Schwerhörigkeit sogar weiter verbreitet als Kurz- oder Weitsichtigkeit. Doch nicht nur Krach belastet das Ohr, sondern auch das Alter. Von Geburt an wird das Gehör schlechter. Kleine Kinder verfügen über den größten Frequenzumfang. Mit zunehmendem Alter nehmen wir hohe Töne nicht mehr richtig wahr und können Konsonanten wie S, T, K und P nur noch schlecht voneinander unterscheiden. 37 Prozent der 60- bis 69-Jährigen und sogar 54 Prozent der über 70-Jährigen sind betroffen. Dennoch wird Schwerhörigkeit immer noch bagatellisiert – leider auch von manchen Ärzten.
Die Folge: Verlust von Lebensqualität
Das Gehör ist die Grundlage für Kommunikation, Klangwahrnehmung, Spracherwerb und -verständnis sowie Orientierung. Vielen Menschen mit Hörschäden erscheint die Stimme ihres Gesprächspartners genauso laut wie immer, trotzdem können sie ihn nur schlecht verstehen. Kein Wunder, denn die tiefen Töne kommen weiterhin bei ihnen an, die hohen leider nicht. Dabei sind diese in erster Linie für das Verständnis des Gesagten zuständig. Wer das Brummen des Kühlschranks oder den Lärm in der Nachbarwohnung nicht mehr mitbekommt, ist zunächst vielleicht froh, unangenehme Geräusche aus seinem Leben verbannt zu haben. Doch wer einer Unterhaltung nicht mehr folgen kann, gerät schnell ins Abseits. Denn Sprache muss gepflegt werden, damit sie nicht verkümmert. Neben der eigentlichen Botschaft spielen die Begleitinformationen auf emotionaler und sozialer Ebene eine große Rolle für das Verständnis. Feine Nuancen wie Ironie, Erstaunen, Zögern, Zustimmung oder Ablehnung vermittelt Sprache quasi nebenbei.
|In Gesellschaft|
Wer gut hört, kann sich meistens nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die einem Gespräch nicht folgen können. Häufig interpretieren sie die Reaktion des Betroffenen als Desinteresse oder vermuten eine beginnende Demenz. Wer offensiv mit Hörproblemen umgeht, kann solche Fehlurteile vermeiden.
Unwissenheit sorgt für Unverständnis
Aus Angst, sich in Gesellschaft zu blamieren, ziehen sich viele Betroffene immer mehr zurück. Doch Einschränkungen in der zwischenmenschlichen Kommunikation führen zum Verlust sozialer Kontakte, zu Stress, Ermüdung und Konzentrationsschwierigkeiten. Rückzug, Monologisierung und die damit verbundenen Probleme stoßen bei der gut hörenden Umgebung häufig auf Unverständnis und begünstigen Missverständnisse.
Nicht nur im Gespräch fühlen sich Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen unsicher, sondern auch im Straßenverkehr, beim Sport und auf der Reise. Da unsere Augen eben nicht überall sind, übernimmt das Gehör eine wichtige
Warn- und Orientierungsfunktion. Wer schlecht hört, ist Gefahren schutzlos ausgeliefert, weil er die herannahende Straßenbahn oder das hupende Auto nicht bemerkt. Und selbst wenn, weiß er nicht, aus welcher Richtung das Geräusch kommt und wie weit es entfernt ist. Gerade im Dunkeln oder inmitten einer Menschenmenge fehlt das Richtungshören
als wichtige Orientierungshilfe.
Familie und Freunde geben häufig den Anstoß
Da sich Hörschäden meist schleichend einstellen, bemerken viele Betroffene die Anzeichen zu spät. Häufig sind es Freunde oder Verwandte, die sie darauf aufmerksam machen, dass der Fernseher sehr laut ist, sie in einer Unterhaltung ständig nachfragen müssen oder kaum noch in der Lage sind, Telefonate zu führen. Wer seinen Hörverlust nicht rechtzeitig ausgleicht, verstärkt ihn noch, da Hören verlernt wird – ein Teufelskreis, der in sozialer Isolation und Vereinsamung enden kann.
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